Das kleine Rom der Slowakei

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Was hat die slowakische Kleinstadt Trnava mit der italienischen Metropole Rom gemeinsam? Zahlreiche Kirchen, sakrale Denkmäler und Synagogen sind Zeugen einer interessanten Epoche. Aber auch der Wein hat Qualität.

Meine Reise in die Slowakei führt mich in eine Kleinstadt (ca. 45 km von Bratislava), die den klingenden Beinamen „Kleines Rom“ trägt. Das macht micht neugierig – was hat das etwa 70.000 Einwohner zählende Trnava mit der italienischen Metropole zu tun? Ich begebe mich auf Spurensuchen …

Stadtbild von Trnava_Slowakei

Kleines Rom in der Slowakei

Über 300 Jahre lang war Trnava das katholische Zentrum des ungarischen Katholizismus (damals zu Ungarn gehörend). In dieser prosperierenden Periode entwickelten sich besonders Architektur. Wissenschaft und Kunst zu einem Höhepunkt. Die sakralen Bauwerke prägen noch heute das Stadtbild. Auf relativ kleinem Bereich lassen sich insgesamt 11 Gotteshäuser zählen, was also zur Bezeichnung „kleines Rom“ führte.

Mit Gründung der ersten Universität 1635 wuchs Trnava zu einem geistigen Zentrum. Ihr Ruf gelangte weit über die Grenzen hinaus. Neben einer eigenen Druckerei gab es eine der umfangreichsten Bibliotheken des Landes und die Universität besaß ein eigenes astronomisches Observatorium. Später (1667 und 1769) wurden in Trnava zwei weitere Fakultäten gegründet. Viele bedeutende Persönlichkeiten gaben Trnava gegenüber Bratislava den Vorzug und lebten in der Stadt. Unter den Jesuiten wuchs Trnava zum zentralen Mittelpunkt der universitären Lehre und Bildung heran. Auch heutzutage zieht die Stadt Tausende von jungen Studierenden aus der ganzen Slowakei an die renommierten Universitäten und macht diese Stadt mit Geschichte zu einem lebendigen Ort.

Spurensuche

Bei einem herbstlichen Spaziergang ziehe ich durch die Gassen der historischen Altstadt und schlendere über ruhige Plätze mit altem Pflaster, vorbei an kleinen Cafés und urigen Gaststätten. Die mittelalterliche Stadt hat seine Reize, auch wenn die Zeit stehen geblieben scheint. Die vielen jungen Studenten sind während meiner Besichtigungstour offensichtlich bei ihrem Studium in den Universitäten. Sie treffen sich dann am Abend in den gemütlichen Lokalen.

Das kleine Rom der Slowakei Das kleine Rom der Slowakei

Mein Weg führt mich entlang der Stadtbefestigung, die den Ortskern in früherer Zeit schützte. Dort gibt es auch einen 57 m hohen Stadtturm, von wo aus man bei schönem Wetter einen Weitblick in die Umgebung geniessen kann. An meinem Besichtigungstag ist es leider trüb. So nützte ich die Gelegenheit in eine unterirdische Katakombe hinabzusteigen. Ganz versteckt und kaum bemerkbar liegt der Abstieg, der nur durch meine Fremdenführerin möglich ist. Sie hat einen Schlüssel für das kleine Tor in die Unterwelt. Etwas gruselig ist es schon, an diesem archäologischen Fundort hunderte Knochen aus dem Mittelalter auf einem Haufen zu sehen!Das kleine Rom der Slowakei

Von Kirchen und Synagogen

Beeindruckend sind nicht nur die Kirchen, wie z.B. die Basilika Hl. Nikolaus, die ein Marienpilgerort ist. Die Kathedrale des Hl. Johannes des Täufers auch Universitätskirche genannt, aus dem 17. Jh. mit seiner imposanten Gemäldedecke im Inneren und einem aus Holz gestalteten Hochaltar, der imposante 20 m in die Höhe ragt.

In unmittelbarer Umgebung, inmitten all den katholischen Sakralbauten, befinden sich zwei jüdische Synagogen. Sie sind nicht mehr aktiv, da es keine jüdische Gemeinde mehr gibt. Allerdings werden sie heute, wenn auch zweckentfremdet, neu belebt und das durchaus geschmackvoll. In einer ist im wunderschön rekonstruierten Innenraum ein sehr stilvolles Kaffeehaus untergebracht und in der anderen ein Museum für moderne, zeitgenössische Kunst. Ein beliebter Ort für moderne Ausstellungen und Events.

Wer sich für Architektur interessiert: die Synagoge ist in einer orientalisch-historisierenden Architektur mit zwei Türmen an der Frontseite gestaltet. Sie wurde vom Wiener Architekten Jakob Gartner Ende des 19. Jhs. gestaltet. Vor dem Gebäude gibt es ein Denkmal, das an die Opfer des Holocausts erinnert. Mein Eindruck war, dass beide Synagogen eine besonders angenehm ruhige Atmosphäre ausstrahlen, die besonders auf kreative Menschen anziehend wirkt.

Außer der sakralen Baukunst gibt es noch eine weitere Besonderheit, die die Stadt anziehend macht. Es ist die Wein-Tradition und die Herstellung von

Genuss: Wein und Honigwein

Die lange Tradition des Weinanbaus in dieser Region der Slowakei machte die Stadt reich. Im Mittelalter gehörte Trnava zu den größten Weinbaugebieten Ungarns. Es gab Weinkeller, die sogar zweistöckig waren und in die man mit Pferdekutschen den Wein hinein transportierte. Die Wein-Produktion setzt sich bis heute fort und die Winzer der umliegenden Weingüter haben beste Wein Qualität zu bieten. Also unbedingt Weine verkosten!

Für Wein-Liebhaber gibt es die Möglichkeit von Erlebnis-Besichtigungstouren im Frühjahr und im Herbst mit Wein-Verkostungen in Trnava und Umgebung. Halbtägige Wein-Touren gibt es zu ausgesuchten Weingütern mit preisgekrönten Weinen. Eine schöne Kombination sind z.B. die Weingüter Vino Mrva&Stanko und Terra Parna, im Dorf Suchá nad Parnou, unweit von Trnava gelegen.

Genauere Informationen darüber gibt es beim Touristischen Infozentrum in Trnavo.- Den besonderen Honigwein und andere Honigspezialitäten aus der Region kann man in Trnava in der Štefánkova Straße finden. – Zum Schluss hier noch meine persönlichen Tipps:

TIPPS

Synagogen Café: ein einzigartiges Kaffeehaus in der renovierten orthodoxen Synagoge.

Jána Koniarak Galerie: in ehemaliger Synagoge mit einzigartiger Atmosphäre, Galerie moderner Kunst

Diese Reise wurde ermöglicht auf Grund der freundlichen Journalisten-Einladung der Slowakischen Zentrale für Tourismus


Text und Fotos ©Sissi Munz

 

Comments

  1. silvia sagt:

    Sehr interessant! Ich habe schon das Gefuhel, dass ich Halb Europa bereist habe!

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